Die private Krankenversicherung - Ein Überblick

Wer sich über einen Wechsel in die private Krankenversicherung informiert, sieht sich direkt beim Einstieg zahlreichen Fragen gegenüber. Immer wieder hören wir in unserem Beratungsalltag etwa:

  • Wer kann sich privat krankenversichern?
  • Macht es Sinn, in die private Krankenversicherung zu wechseln?
  • Welche Risiken habe ich gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung?
  • Welche Vorteile?
  • Wann und wie geht der Wechsel in die private Krankenversicherung vonstatten?
  • Wie wähle ich die richtige private Krankenversicherung aus?

Hier versuchen wir, ihnen die ersten Fragen zu beantworten, und ihnen den Einstieg in diese komplexe Welt zu erleichtern. Für individuelle Fragen und detailliertere Informationen stehen ihnen unsere Experten mit Rat und Tat zur Seite.


Privat versichern können sich Personen, die nicht versicherungspflichtig sind. Zu dieser Gruppe gehören Beamte, Selbstständige und Freiberufler, Angestellte mit einem Bruttoeinkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze (2018: 59.400 €/Jahr) sowie Personen ohne Einkommen oder einem Einkommen unter der Geringfügigkeitsgrenze (z.B. von der GKV befreite Studenten)

Neben der Berufsgruppe spielt auch das individuelle Risiko in der PKV eine wichtige Rolle. (Siehe: Kann mich eine private Krankenversichernug ablehnen?)

Für die privaten Krankenversicherer gilt wie für alle anderen privaten Versicherungen die Vertragsfreiheit. Das bedeutet, die Krankenversicherer können sich ihre neuen Versicherten aussuchen.

In der Praxis wird der Krankenversicherer vor allem dann von einem Vertragsabschluss absehen, falls bei ihnen bestimmte Vorerkrankungen bestehen, oder Sie ein gewisses Alter bereits überschritten haben. Allerdings handhabt jede Krankenversicherung bestehende Vorerkrankungen unterschiedlich, so dass es von Vorteil für Sie sein kann sich bei einem Experten Rat zu holen.

Auch ein negativer Eintrag in der Schufa kann zur Ablehnung des Krankenversicherers führen.

Für den Preis der privaten Krankenversicherung sind vor allem folgende Punkte ausschlaggebend:

  1. Ihr aktuelles Alter
  2. Ihr Eintrittsalter in die private Krankenversicherung
  3. Ihr Gesundheitszustand bei Eintritt in die private Krankenversicherung
  4. Die gewünschten Leistungen im Krankheitsfall
  5. Unter Umständen ihre Berufsgruppe

Wie viel Sie eine private Krankenversicherung kostet, falls Sie vollständig gesund sind, können Sie hier berechnen.

Falls bei ihnen bereits Vorerkrankungen bestehen, können Sie hier unsere Risikovoranfrage ausfüllen. Sie bekommen dann von diversen Versicherern eine Einschätzung über eventuell anfallende Risikozuschläge.

Diese Frage lässt sich pauschal nicht beantworten, da das Prinzip der PKV sich grundlegend vom Prinzip der GKV unterscheidet.

Für die PKV gilt tendenziell:

Sind Sie jung und gesund, haben Sie auch vergleichsweise niedrige Versicherungsbeiträge. Sind Sie dagegen älter, haben Sie möglicherweise deutlich höhere Beiträge zu zahlen. Die Steigerung der Beiträge ist dabei nur schwer absehbar. Sinnvoll ist es deshalb in der Regel, einen Teil der Einsparungen in jungen Jahren in der PKV zurückzulegen, um damit die höheren Kosten im Alter abzufangen.

Für die GKV gilt:

Ihre Beiträge richten sich in der gesetzlichen Krankenversicherung nach ihrem Arbeitsentgelt, nicht nach ihrem Alter oder ihrem Gesundheitszustand. Bis zur sogenannten Beitragsbemessungsgrenze (2018: 53.100 €/Jahr) zahlen Sie einen prozentualen Anteil ihres monatlichen Einkommens für ihre Krankenversicherung.

Fazit:

Beiträge kommen in der PKV also durch das individuelle Risiko zustande, während diese in der GKV nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit berechnet werden. Da sich im Laufe des Lebens sowohl das individuelle Risiko als auch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit deutlich ändern können, sind Prognosen in welchem System man weniger zahlt sehr schwierig möglich.

Ein paar der Überlegungen, die eher für eine PKV sprechen:

Sie haben die Wahl:

Die private Krankenversicherung bietet ihnen an, sich bei Vertragsbeginn ihre gewünschten Leistungen selber auszuwählen. Sie zahlen also für die Leistungen, die sie für richtig und wichtig halten. In der GKV dagegen ist der Leistungskatalog gesetzlich eng reglementiert und enthält einige Lücken und Eigenbeteiligungen. Auch bei der Wahl der Ärzte, Medikamente und Kliniken haben Sie in vielen der Tarife der PKV die freie Wahl, und können selber entscheiden.

Ihre Leistungen sind garantiert:

Ihre vertraglich vereinbarten Leistungen sind dauerhaft garantiert. In der GKV dagegen kommt es immer wieder zu Leistungskürzungen, die in der Folge von den Versicherten selber gezahlt werden müssen. Auch kommen medizinische Fortschritte durch die hohen Kosten bei GKV-Versicherten erst mit einiger Verzögerung an.

Sie sind weniger abhängig vom demografischen Wandel:

Da ihre Beiträge in der PKV vor allem von ihren persönlichen Risiken abhängen, hat der demografische Wandel in Deutschland wenig Auswirkungen auf ihre Beiträge. In der GKV müssen dagegen immer weniger Berufstätige die in die GKV einzahlen, immer mehr Nichtberufstätige mitfinanzieren.

Ein paar der Überlegungen, die eher für eine GKV sprechen:

Familienmitglieder kostenlos mitversichern:

In der gesetzlichen Krankenversicherung werden ihre direkten Familienmitglieder kostenlos mitversichert, sofern sie nicht ein eigenes Einkommen von über 400 € im Monat erzielen. In der PKV muss dagegen jeder Versicherte einen eigenen Beitrag zahlen.

Annahme unabhängig vom Gesundheitszustand:

Haben Sie Vorerkrankungen, werden Sie trotzdem in der GKV aufgenommen. Und auch ihr Beitrag erhöht sich durch ihre Vorerkrankungen nicht.

Beiträge unabhängig vom Alter:

Ob Sie mit 20 oder mit 50 Jahren in die GKV eintreten macht für Sie bei gleichem Einkommen in der GKV keinen Unterschied. Sie zahlen in beiden Fällen den gleichen Beitrag. In der PKV zahlt der 50jährige dagegen deutlich mehr als der 20jährige.

Sie zeigen sich solidarisch:

In der GKV befinden Sie sich in einer Solidargemeinschaft aus Jungen und Alten. Die Risiken werden innerhalb einer großen Gruppe gemischt.

Diese Frage ist natürlich pauschal sehr schwierig zu beantworten. Sie hängt unter anderem von den Leistungen ab, die Sie wünschen. Wichtig ist neben den Leistungen auch der Beitrag für die Versicherung. Sie können deshalb in unserem Rechner unter Angabe ihrer gewünschten Leistungen den für Sie günstigsten Tarif raussuchen. Allerdings ist immer eine Rücksprache mit einem Experten zu empfehlen, da jeder Tarif aus hunderten Leistungsbausteinen besteht, und es für den Laien oftmals schwer abzuschätzen ist, welche Bausteine besonders wichtig sind, und welche weniger.

Ebenso wichtig kann es aber sein, welche Beitragssteigerungen Sie für ihre Versicherungen erwarten können. Da dies naturgemäß für die Zukunft sehr schwer abzusehen ist, bleibt als bester Indikator für die zukünftige Preisentwicklung eines Tarifs die bisherige Preisentwicklung des Tarifs. Bestehen bereits Vorerkrankungen, kann ihnen ein Experte am besten weiterhelfen, bei welchen Krankenversicherern Sie mit den jeweiligen Vorerkrankung die besten Chancen auf eine Annahme haben, bzw. welcher Versicherer die geringsten Risikoaufschläge berechnet.

Wollen Sie eine umfassende Beratung zu Vor- und Nachteilen einzelner Tarife, inklusive der Preisentwicklung und Beitragsstabilität der Tarife, können Sie sich jederzeit an unsere Berater wenden.

Erfüllen Sie die Voraussetzungen für den Wechsel in die private Krankenversicherung, dann gehen Sie folgendermaßen vor.

Zunächst sollten Sie sich einen Überblick über die verschiedenen Tarife am Markt verschaffen, und eine Beratung in Anspruch nehmen. Ein guter Berater kann Sie über Fallstricke und Tücken bei den einzelnen Tarifen aufklären, und mit ihnen gemeinsam den passenden Tarif aussuchen.

Haben Sie sich für einen Tarif entschieden, dann gehen Sie folgendermaßen vor:

Wechsel von der GKV zur PKV:

Bei einem Wechsel von der GKV zur PKV gelten die vorgegebenen Kündigungsfristen. Eine Kündigung der freiwilligen Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenkasse ist zum Ablauf des übernächsten Kalendermonats möglich, gerechnet von dem Monat, in dem Sie ihre Kündigung aussprechen.

Wechsel von der PKV zur PKV:

Bei einem Wechsel innerhalb der PKV müssen Sie ebenfalls ihre vorgegebenen Kündigungsfristen beachten. Je nach Gesellschaft kann ihre Mindestvertragsdauer zwischen 1-2 Jahren variieren. Bei den meisten Versicherern ist der Kündigungstermin der 31.12 des jeweiligen Jahres, und die Kündigungsfrist berägt 3 Monate. Allerdings gibt es auch Versicherer, bei denen nur zum Ende des Versicherungsjahrs geküdnigt werden kann. Dieses weicht in der Regel vom Kalenderjahr ab.



Ihre Kündigung an den Vorversicherer müssen Sie diesem schriftlich mitteilen. Gleichzeitig stellen Sie bei ihrem gewünschten Krankversicherer einen Antrag auf eine private Krankenversicherung. Sollte dieser Antrag von dem privaten Krankenversicherer nicht angenommen werden, ist auch ihre Kündigung der GKV hinfällig.

Da sich der Antrag für die private Krankenversicherung für Laien häufig sehr umfangreich und komplex darstellt, bieten wir ihnen auch hier unsere Hilfe an.

Im nächsten Schritt wird sich der private Krankenversicherer bei ihnen melden, und ihnen mitteilen ob und unter welchen Umständen er ihnen den gewünschten Versicherungsschutz anbietet.

Bei sehr hohen Beiträgen für ihre private Krankenversicherung haben Sie verschiedene Optionen:

In bestimmten Fällen können Sie von der PKV zurück in die GKV wechseln (siehe: Wie kann ich von der PKV in die GKV wechseln?)

Aber auch wenn Sie nicht zurück in die GKV wechseln können, haben Sie Möglichkeiten ihre Versicherungsbeiträge zu senken. Dies ist möglich durch einen Wechsel ihres Tarifs. Sie bleiben in diesem Fall bei ihrer Krankenversicherung, wechseln aber innerhalb der Krankenversicherung ihren Tarif. Der wichtigste Punkt hierbei ist, dass ihre angesparten Altersrückstellungen bei einem solchen Tarifwechsel erhalten bleiben. Wie genau und warum dies in vielen Fällen so gut funktioniert, erfahren Sie unter unserer Rubrik Tarifoptimierung

Ist für Sie weder der Wechsel ihres Tarifs möglich, noch der Wechsel in die GKV, haben Sie innerhalb der PKV auch die Möglichkeit, in den sogenannten Basistarif zu wechseln. Dieser Tarif muss von seinen Leistungen immer den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung folgen. Die maximale Beitragshöhe des Basistarifs entspricht dem Höchstbeitrag der GKV plus der durchschnittlichen Zusatzbeiträge der Krankenkassen. Bevor Sie diesen Schritt in Erwägung ziehen sollten Sie sich aber immer eine vorherige Beratung in Anspruch nehmen, um zu klären ob nicht eine der anderen Möglichkeiten für Sie in Frage kommt.

Der Wechsel von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung unterscheidet sich in folgende Fälle:

Sie sind Angestellter:

Als Angestellter müssen Sie wieder in die GKV wechseln, falls ihr Bruttoeinkommen unter die Versicherungspflichtgrenze sinkt (2018: 59.400 €/Jahr). In der Praxis passiert dies etwa, wenn im Unternehmen das Weihnachts- oder Urlaubsgeld gestrichen wird, oder feste Vergütungsbestandteile in variable Bestandteile umgewandelt werden.

Sie sind Selbstständig oder Freiberufler:

In dem Fall können Sie nur dann in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln, wenn Sie ein sozialversicherungspflichtiges Angestelltenverhältnis eingehen, und ihr Einkommen gleichzeitig unterhalb der Versicherungspflichtgrenze liegt.